Alte Sprachen

Wie ein Damoklesschwert schwebt über vielen die Angst vor der Aneignung alter Sprachen zu Beginn des Theologiestudiums. Die folgenden Seiten sollen helfen, oft gehörte Vorurteile abzubauen und die Angst vor "den Sprachen" zu überwinden.

Die drei alten Sprachen stehen ganz am Anfang des Studiums, damit früh mit der theologischen Arbeit an den Originaltexten begonnen werden kann. Bei der folgenden Anordnung müssen nie mehr als zwei alte Sprachen gleichzeitig gelernt werden, und es gibt immer nur eine Sprachprüfung auf einmal. Man beachte bitte, dass der Lateinkurs schon Ende August (also noch in der vorlesungsfreien Zeit) beginnt.

Abkürzungen:

  • L = Lateinisch
  • Gr = Griechisch
  • H = Hebräisch
1. Jahr / 1. Semester
September   1 Woche vor Semesterbeginn Intensivwoche (5 volle Arbeitstage)
September  Gr ab Beginn 1. Semester L+Gr. 2 x pro Woche
Oktober  Gr   
November  Gr   
Dezember  Gr 

L     Prüfung Ende Monat
Gr   Leistungskontrolle I (Anfang Monat)

1. Jahr / 2. Semester
Januar 
L
 
Februar   
L Gr  
L während der Semesterferien 3 x pro Woche,
Prüfung in der zweitletzten Ferienwoche
März  Gr   
April  Gr
 
Mai  Gr  Gr   Leistungskontrolle II (Anfang Monat)
Juni 
Die Graecumsprüfung findet im Juni statt
Juli 

 
August


2. Jahr / 3. Semester
September   
Oktober   
November   
Dezember   
Januar  Prüfung in den Prüfungswochen
Februar 

Studienziele

Der Lateinkurs hat zum Ziel, den authentischen Zugang zur gesamten kirchlichen und theologischen Tradition bis ins 18. Jh. zu ermöglichen. Das soll erreicht werden durch das Kennenlernen sämtlicher grammatischer Erscheinungen und den Aufbau eines Wortschatzes von 900 Wörtern anhand von Übungen und etwa 30 vorchristlichen Texten, mehrheitlich aus der Zeit von 100 v. Chr. bis 100 n. Chr., und darauf durch die Lektüre und Diskussion von etwa 30 theologisch wichtigen Dokumenten aus Kirchengeschichte, Liturgik und Dogmatik.

Lehrangebot

  • Die Lateinkurse der Universität Bern werden für Theologie und Geisteswissenschaften gemeinsam geführt.
  • Der Lateinkurs ist grundsätzlich fakultativ. Eine Prüfung der Lateinkenntnisse ist aber obligatorisch für diejenigen, die keine Maturprüfung in Latein abgelegt haben.
  • Wer schon Latein kann und es z.B. in einer Lektüre auffrischen möchte, findet im zweiten Kursteil eine motivierende Lerngruppe und ansprechende Texte.

Studienempfehlungen

  • Wer den Bachelor of Theology anstrebt und noch keine alten Sprachen kann, der der besucht im ersten Semester den Lateinkurs I, im zweiten den Lateinkurs II. Beiden Kursen geht unmittelbar je eine Intensivwoche voraus, die Sie sich zu hundert Prozent für das Latein reservieren sollten. Durch diese Massnahme wird der Aufwand für die Beschäftigung mit dem Latein während der beiden Semester reduziert.
  • Der Lateinkurs wird jedes Jahr angeboten. Es ist auch möglich, den Lateinkurs unabhängig von einer Immatrikulation als Hörer (Auskultant) zu besuchen. Ein erfolgreicher Abschluss der lateinischen Lektüre wird bei der Immatrikulation in die Theologischen Fakultät Bern anerkannt.
  • Auskunft über den nächsten Kurs erteilt Ihnen der Dozent gerne per Mail.
  • Da Latein an den Gymnasien angeboten wird, wird der eigentliche Sprachkurs nicht kreditiert. Für die vertiefende Lektüre theologischer Basistexte hingegen erhalten Sie bei erfolgreicher Teilnahme 5 ECTS-Punkte.

Literatur

Lehrmittel ist:

Cursus Brevis (hrsg. v. Gerhard Fink und Friedrich Maier)

  • Texte und Übungen (ISBN 3-486-87693-7)
  • Systematische Begleitgrammatik (ISBN 3-486-87695-3)

Als offizielle Verkehrssprache der Römerzeit wurde Griechisch auch zur Sprache des Neuen Testaments. Um sich mit dem Text der Bibel kompetent auseinander zu setzen, aber auch um den "Puls der Zeit" besser zu fühlen, benötigen Theologinnen und Theologen Kenntnisse in dieser Sprache. Im Kurs steht die Sprache des Neuen Testaments deutlich im Vordergrund; durch sprach- und kulturgeschichtliche Exkurse wird aber auch das klassische Griechenland mir einbezogen.

Studienziele

  • Der Griechischkurs befähigt, sich mit dem Neuen Testament in der Originalsprache zu beschäftigen, leichtere Texte ohne Hilfe zu übersetzen, Kommentare und digitale Hilfsmittel sinnvoll zu verwenden und Übersetzungsmöglichkeiten kritisch zu beurteilen.
  • Die kulturgeschichtlichen Exkurse sollen dazu beitragen, das Neue Testament und das Christentum im Umfeld der griechischen Philosophie, Religion und Mythologie zu sehen.

Lehrangebot

  • Im ersten Semester erwerben die Studierenden grundlegende Kenntnisse der griechischen Formen- und Satzlehre sowie einen angemessenen Wortschatz. Dazu kommen bereits erste kurze Texte aus dem Neuen Testament.
  • Im zweiten Semester werden die sprachlichen Kompetenzen vertieft. Die Lektüre verschiedener Texte aus dem Neuen Testament und dessen Umfeld der hellenistisch-römischen Welt soll die Übersetzungsfähigkeit fördern und Interesse am Umgang mit dem Originaltext wecken. Kulturgeschichtliche Exkurse zu theologisch relevanten Themen ergänzen das Programm.
  • Neben der Mitarbeit in den Kursstunden werden Vor- und Nachbereitung des Stoffes sowie möglichst viel individuelle Übersetzungsarbeit erwartet . Durchschnittlich liegt der Arbeitsaufwand etwa 5 bis 6 Stunden pro Woche .
  • Mit drei Leistungskontrollen werden die erworbenen Kenntnisse im Verlauf und am Ende des Kurses überprüft. Nähere Angaben dazu gibt es jeweils zu Beginn des Kurses.

Literatur

Als Lehrmittel wird gegenwärtig verwendet:

Whittaker/Holtermann/Hänni, Einführung in die griechische Sprache des Neuen Testaments (ISBN 3-525-52142-1).

Hebräisch ist eine der grundlegenden Sprachen der jüdischen Kultur und speziell der religiösen jüdischen Literatur. Eine vertiefte Beschäftigung mit dieser Literatur ist ohne Hebräisch-Kenntnisse nicht möglich, das gilt auch für die hebräischen Texte der Bibel. Geht man von der christlichen Bibel aus, so bilden diese hebräischen Texte den deutlich grössten Teil der biblischen Schriften.

Studienziele

  • Der zweisemestrige Hebräisch-Kurs dient dem Erlernen des Biblisch-Hebräischen.
  • In diesem Zusammenhang erlernen die Studierenden auch den Umgang mit wichtigen Hilfmitteln, um sich die hebräischen Texte der Bibel zu erschliessen.
  • Nach bestandener Prüfung sollen die Studierenden in der Lage sein, die hebräischen Texte der Bibel zu lesen und zu übersetzen. Darüber hinaus sollen sie sprachliche Grundkenntnisse haben für einen kritischen Dialog mit bibelwissenschaftlicher Literatur.
  • Rechtlich gesehen sind die zum "Hebraicum" (dem Nachweis über ausreichende Hebräisch-Kenntnisse) führenden Prüfungen Ergänzungsprüfungen zur Matura; wer entsprechend Hebräisch im Matur-Zeugnis eingetragen hat, ist (bis auf Weiteres) vom Hebräisch-Kurs befreit.

Lehrangebot

  • Im ersten Semester liegt der Schwerpunkt auf den Grundlagen der Grammatik (starkes Verb, Nominalbildung, Satzbau der erzählenden Texte). Von Beginn an wird mit Texten der Hebräischen Bibel gearbeitet.
  • Im zweiten Semester werden der Rest der Grammatik (schwaches Verb, Vertiefung der Syntax) sowie der Wortschatz erarbeitet.
  • Wer Hebräisch nicht am Gymnasium bis zur Maturität besucht hat, muss das Hebraicum an der Universität in Form von mehreren Teilprüfungen erwerben.