Ehrenpromotionen

Daniel R. Schwartz

Die Ehrendoktorwürde 2022 geht an Professor Daniel R. Schwartz, Jerusalem,
- der mit seinen weit reichenden Studien die Erforschung des antiken Judentums entscheidend vorantreibt und dabei gleichermassen Fragen der Theologie, der Geschichte und der Literatur nachgeht.
- der seit vielen Jahren als akademischer Brückenbauer zwischen Israel und dem deutschsprachigen Europa wirkt.
- der über seine Forschungsschwerpunkte in der Antike hinaus in einer Reihe von Studien zu einem besseren Verständnis des deutschsprachigen Judentums in der Moderne beiträgt. 

Judith Wipfler

der versierten Radio-Redaktorin,
die religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge klug, kenntnisreich, verständlich zu vermitteln weiss;
die als Journalistin den interreligiösen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam pflegt und kritisch begleitet;
die sich in ihren Sendungen für Geschlechtergerechtigkeit engagiert.

Doris Strahm

der Pionierin der Feministischen Theologie in der Schweiz,
die Grundlagenwerke zur feministischen Theologie verfasst und die 1986 gegründete Europäische Gesellschaft für Theologische Forschung von Frauen (ESWTR) mitaufgebaut hat;
die sich als eine der ersten Theologinnen interreligiösen Themen aus Genderperspektive widmet und 2008 eine der Gründerinnen des Interreligiösen Think-Tanks in der Schweiz war;
die seit Jahrzehnten über die Schweiz hinaus dazu beiträgt, Fragen der Geschlechtergerechtigkeit in den gesellschaftlichen und religiösen Diskurs einzubringen.

Prof. Dr. Hubert Wolf

Die Ehrendoktorwürde 2019 geht an Prof. Dr. Hubert Wolf, der Vergessenes aus der «Krypta» der Kirchengeschichte ins Licht stellt und zur Neubewertung verdrängter Traditionen anregt; der mit der grundlegenden Aufarbeitung von Inquisitionsakten begonnen hat und so zur Rehabilitation von Opfern kirchlicher Zensur beiträgt; der mit seinen kirchengeschichtlichen Forschungen einen bedeutsamen öffentlichen Beitrag zum derzeitigen Diskurs über die ecclesia semper reformanda leistet.

Klaus Bäumlin

Die Theologische Fakultät verleiht die Ehrendoktorwürde Pfarrer Klaus Bäumlin,

– der als Schriftleiter der reformatio. Zeitschrift für Kultur, Politik und Religion und als Chefredaktor der Monatszeitschrift saemann in hellwacher Zeitgenossenschaft das Geschehen in Kirche und Gesellschaft über Jahrzehnte kommentiert und dabei universitäre Theologie in alltägliche Lebenswelten vermittelt hat,

– der dem kirchlichen Engagement für marginalisierte Gruppen in der Gesellschaft Weg weisende Impulse gibt, in der ersten öffentlichen Segensfeier für ein homosexuelles Paar in der Schweiz zur Überwindung von Vorurteilen beigetragen hat und den unauflösbaren Zusammenhang von Erbarmen und Recht bezeugt,

– der in einer Zeit des Traditionsabbruchs die Aktualität der biblischen Texte in kirchlicher Verkündigung wie gesellschaftlicher Erwachsenenbildung freilegt und so das unerschöpfliche Kulturgut der Bibel und ihre Rezeption in Theologie, Musik und bildenden Künsten neu wahrnehmen lehrt.

Metavel und Elazar Benyoëtz

Die Ehrendoktorwürde 2017 geht an Elazar Benyoëtz, den Begründer der Bibliographia Judaica und Aphoristiker/Lyriker, der jüdisches Dichten und Denken in der deutschen Sprache nach der Shoah neu belebt hat. Und an Metavel, der Kabbala-Gelehrten, Miniaturenmalerin und Kalligraphin, die biblische Bücher und andere Texte der jüdischen Tradition in expressiv-symbolische Sprachbilder setzt. Gemeinsam dem israelischen Künstlerpaar, das in Wort und Bild die Welt der Bibel und des Judentums neu sehen und hören lehrt und dessen Werk zur Inspirationsquelle auch für die christliche Theologie geworden ist.

Hartmut Haas

aufgewachsen in Königsfeld im Schwarzwald und wohnhaft im Kanton Bern, nach einer diakonischen und theologischen Ausbildung lange Jahre als Pfarrer in der Herrnhuter Brüdergemeinde und als Leiter des Rehabilitationszentrums „Sternenberg“ bei Ramallah in Palästina tätig, hat H. Haas als Präsident des Vereins „Haus der Religionen-Dialog der Kulturen“ wesentlich zum Aufbau und Erfolg des Hauses der Religionen am Europaplatz in Bern beigetragen. In Zeiten weit verbreiteter Intoleranz hat er mit grossem Engagement für den kulturellen Austausch und den Dialog der Religionen einen Beitrag zum religiösen Frieden geleistet und die religiöse Landschaft in der Region Bern mit der Schaffung von Gebetsräumen für Minderheiten ebenso kreativ wie fruchtbar bereichert.

Prof. Dr. Bernadette J. Brooten 

hat bahnbrechende Arbeiten über jüdische und christliche Frauen in der Antike veröffentlicht und wichtige gesellschaftliche Debatten angestossen. Einen Namen gemacht hat sich die US-amerikanische römisch-katholische Theologin und Professorin mit ihrer Studie über die Apostelin Junia: Das Werk gilt heute als ein Meilenstein der Bibelforschung und Klassiker theologischer Frauenforschung. Die Theologische Fakultät zeichnet Bernadette J. Brooten für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Geschichte jüdischer und christlicher Frauen in der Antike aus, die in wissenschaftlichen wie in gesellschaftlichen Zusammenhängen wegweisende Diskussionen angestossen haben.
Gewürdigt wird Brooten als feministische Gender-Forscherin, die sich konsequent und engagiert für die interdisziplinäre Aufarbeitung der Geschichte von Diskriminierungsphänomenen im Kontext antiker wie moderner Sklaverei einsetzt. So ist sie Gründerin und Leiterin des Feminist Sexual Ethics Project, das eine jüdische, christliche und muslimische Sexualethik begründen will, die auf Freiheit, Gegenseitigkeit, Verantwortung und auf weiblichem wie männlichem Vergnügen basiert. Befreit sein soll diese Sexualethik hingegen von den «Sklavenhalter-Werten», die in heiligen Texten und Traditionen der drei Religionen steckten und die oft mit sexueller Ausbeutung von Frauen und Mädchen verbunden seien.

Kathrin Utz Tremp 

Privatdozentin Kathrin Utz Tremp hat schwer zugängliche historische Quellen wissenschaftlich erschlossen und damit die Grundlagen für weitere Forschung geschaffen. Dank dieser unermüdlichen Arbeit ist es ihr gemäss Laudatio gelungen, die Geschichte des Christentums in der Schweiz, in Bern und in Fribourg während des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit «wesentlich zu erhellen und international bekannt zu machen».
In ihrer Forschung widme sie sich immer wieder den «Minderheiten und Vergessenen der Geschichte», wie der Ehrung weiter zu entnehmen ist. Dazu gehören angebliche Hexen oder die als Ketzer gebrandmarkte und verfolgte Gemeinschaft der Waldenser. Die Ergebnisse ihrer Forschung vermittle Utz Tremp in ihrer Lehrtätigkeit.

Willi Nafzger

Das Ehrendoktorat 2012 wurde dem engagierten Gefangenenseelsorger Willi Nafzger, VDM (*1942), verliehen als Humanisierer des Strafvollzugs, der die Gefangenen- zur Gefängnisseelsorge entwickelte, indem er auch die Probleme des Gefängnispersonals in den Blick rückte, als Ausbildner von Gefängnispersonal in der Schweiz und weltweit, und als dem Nestor der Schweizer Gefängnisseelsorge, der den Weiterbildungsstudiengang «Seelsorge im Straf- und Massnahmenvollzug» an der Universität Bern mitbegründet und 20 Jahre mitgetragen hat.

Rudolf H. Strahm,

der sein Lebenswerk einer gerechten Entwicklungspolitik und dem Engagement für die «Dritte Welt» gewidmet hat und die Hoffnung auf eine veränder- bare Welt nicht aufgibt, der die von kirchlichen Kreisen initiierte Pionierarbeit der «Erklärung von Bern» massgeblich prägte und damit einen grundlegenden Beitrag zur Entwicklung zivilgesellschaft- licher Kräfte in der Schweiz leistete, dessen undogmatische und prophetische Stimme im Ringen um soziale, ökologische und ethische Spielregeln der globalisierten Wirtschaft zu politischem Handeln ermutigt, der sein Fachwissen in staatsbürgerlicher Verantwortung breiten Kreisen der Bevölkerung durch Lehrbücher, Medienbeiträge und Vorträge zugänglich macht.

Prof. Dr. Hannah M. Cotton,

der unermüdlichen Philologin, Papyrologin und Epigraphikerin, die sich durch vorbildliche Ersteditionen um die Geschichte Israels und des Judentums in hellenistisch-römischer Zeit verdient macht, der inspirierenden Historikerin, die massgeblich zur Erhellung der Geschichte und speziell Frauengeschichte, des Rechts, der Wirtschaft und der Religion in Israel/Palästina und Arabien unter römischer Herrschaft beiträgt, der Hauptinitiantin der Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae, die mit ihrer Arbeit den ethnischen, religiösen und sprachlichen Pluralismus des heiligen Landes zwischen dem 4. Jh. v. Chr. und dem 7. Jh. n. Chr. dokumentiert.

Lic. phil. Rifa'at Lenzin,

die sich seit vielen Jahren in der Schweiz und darüber hinaus für einen offenen und respektvollen Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen einsetzt, die als freischaffende Islamwissenschaftlerin und Publizistin in der Öffentlichkeit für ein plurales Verständnis muslimischer Identität eintritt, die sich in besonderer Weise um eine Klärung von Geschlechterfragen im Islam verdient gemacht hat, die durch ihre vielfältigen Tätigkeiten zu einer Kultur des Friedens und der Toleranz beiträgt.

Prof. Dr. Susan Ashbrook Harvey,

die seit 30 Jahren herausragende Untersuchungen im Bereich des frühen syrischen Christentums veröffentlicht hat, die durch ihre Arbeiten unsere Kenntnis der altkirchlichen Hagiographie auf eine breitere Basis gestellt hat, die durch ihre Forschungen über die Bedeutung des Geruchssinnes im frühen Christentum ein neues, originelles Kapitel der Geschichte der christlichen Spiritualität geschrieben hat, die mit ihren gründlichen und empathischen Studien über Frauen im frühen syrischen Christentum und über Genderaspekte der Theologie der Alten Kirche viel dazu beigetragen hat, die Rolle der Frauen in den östlichen christlichen Kirchen damals und heute neu zu bewerten.

Pfr. Hans Rudolf Lavater,

der seit über 30 Jahren herausragende Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschungstätigkeit zur Kirchengeschichte veröffentlicht und dadurch die Kenntnisse und die Erforschung der Geschichte der Reformation in Zürich und Bern sowie der Geschichte der Schweizer Täufer massgebend gefördert hat, der in seiner Tätigkeit als Pfarrer und Lehrer die historisch und theologisch differenzierte und reflektierte Vermittlung von Kirchengeschichte und Theologie in Kirche, Schule und Öffentlichkeit gefördert und umgesetzt hat, der sich ehrenamtlich in hohem Masse für Gesellschaft und Kirche in Stadt und Kanton Bern engagiert hat.

Tamara Grdzelidze,

der georgischen Theologien und Philologin, die in einem atheistischen und patriarchalen Umfeld in Georgien als Pionierin bei der Wiederherstellung theologischer Studien wirkte, die in Forschung, Lehre und Publikationen orthodoxe Theologie und Spiritualität mit den Fragestellungen der Gegenwart verbindet und einem westlichen Publikum vermittelt, die durch ihre kritischen Studien zur Georgischen Orthodoxen Kirche und durch ihr Engagement im „Ökumenischen Rat der Kirchen“ den gefährdeten Dialog zwischen orthodoxen und abendländischen Kirchen lebendig erhält.

Daniel Glaus,

dem Komponisten, Forscher und Lehrer, der Disziplinen verbindet und Kulturen vernetzt; dem Kirchenmusiker und Organisten, der Zeitgenossen einen neuen Zugang zu gottesdienstlichen Feiern ermöglicht; dem Grenzgänger, der die Theologie zu einem «fremden Blick» auf ihre eigenen Traditionen herausfordert.

Iren Meier,

der Radio-Journalistin, die in ihrer interkulturellen und interreligiösen Medienarbeit Herausragendes leistet, die in ihrer differenzierten wie sensiblen Berichterstattung über politische und religiöse Konflikte die betroffenen Menschen unter Hochachtung ihrer Würde in den Mittelpunkt stellt, dabei Einzelschicksale von Konfliktopfern - besonders Kindern und Frauen - beleuchtet und damit einen einzigartigen Impuls zur Aufklärung und Friedensförderung im Sinne des Evangeliums liefert.

Jan Visser,

dem Theologen, der es in seiner Lehr- und Forschungstätigkeit verstand, neue ekklesiologische und pastoralpsychologische Fragestellungen aus dem Raum verschiedener christlicher Traditionen und der Humanwissenschaften aufzunehmen und für Zeugnis und Auftrag der Kirche in der heutigen Gesellschaft fruchtbar zu machen, und der damit einen bedeutenden Beitrag zur Klärung der Aufgabe einer altkatholischen Theologie und ihres ökumenischen Anliegens geleistet hat.

Claude Lagarde,

katholischer Religionspädagoge und Pionier der Catéchèse Biblique Symbolique, hat durch seine wissenschaftliche Forschung und sein pädagogisches Engagement wesentlich zur Erneuerung des kirchlichen Religionsunterrichtes im Kontext der heutigen Multikulturalität und Multireligiosität und zur Überwindung von bislang kinderfeindlichen Unterrichtsformen beigetragen.

Prof. Dr. Christine Burckhardt-Seebass,

der Wissenschaftlerin, die sich der religiösen Dimension kultureller Phänomene in ihrer Eigenart zuwendet und dabei innovative Fragestellungen mit methodischer Sorgfalt verbindet, der Volkskundlerin, die die Theologie zu einem „fremden Blick“ auf ihre eigenen Forschungsbereiche herausfordert, der Hochschullehrerin, die zu einem achtsamen, unverstellten und präzisen Sehen und Wahrnehmen auch der unscheinbaren Realität anleitet.