Theologische Fakultät |

„Mathematik
wäre nicht mein Ding gewesen, da muss 2 + 2 immer 4 geben. Mit
Gott und den Menschen ist es etwas komplizierter. Darüber wollte
ich im Studium nachdenken, Pfarrerin zu werden war nie mein Berufsziel.
Während meinem Auslandjahr in San José, Costa Rica, haben
mir meine lateinamerikanischen StudienkollegInnen aufgezeigt, dass es
eigentlich doch einfach ist mit diesem Gott: Er (oder sie!) hat eine
Vorliebe fürs Leben und steht dort, wo Leben gefördert wird:
Wo Kinder lachen, Menschen feiern, sich einsetzen für Frieden und
Gerechtigkeit. Dafür gilt es zu kämpfen, menschlich, politisch.
Was das nun zu tun hat mit meiner Arbeit als Journalistin? Ich bin Gesprächsleiterin beim "Tagesgespräch" bei Schweizer Radio DRS. Von Montag bis Freitag laden wir für 20 Minuten "wichtige" Gäste ein, Politikerinnen, Wirtschaftsvertreter, Kulturschaffende oder Sportlerinnen. In erster Linie geht es mir darum, sie fair zu befragen, "leben" zu lassen, auch wenn sie anderer Meinung sind als ich. Und dann hinterfrage ich auch kritisch: Wem nützt das eigentlich, was er oder sie will? Und wer leidet vielleicht darunter?
Das Theologin-Sein begleitet mich demnach immer, auch wenn ich mich als Journalistin ausgebe und in meinem Beruf selten von Gott rede. Es ist eine Haltung (oder ehrlicherweise manchmal auch nur der Versuch dazu, nobody is gottseidank perfect...).“
Bern, im März 2003